FREIDENKER



Treten Sie dem Forum bei, es ist schnell und einfach

FREIDENKER

FREIDENKER

Würden Sie gerne auf diese Nachricht reagieren? Erstellen Sie einen Account in wenigen Klicks oder loggen Sie sich ein, um fortzufahren.
FREIDENKER

Die Armen Zionisten

wenebeinhart
wenebeinhart
Gelegenheitsschreiber

Anzahl der Beiträge : 116
Posting-Points : 10
Alter : 49

 Die Armen Zionisten  Empty Die Armen Zionisten

Beitrag von wenebeinhart Fr 14 Sep - 22:18

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
Charlotte Knobloch zur Beschneidungsdebatte Wollt ihr uns Juden noch?

05.09.2012, 10:01




Ein Gastbeitrag von Charlotte Knobloch

Sechzig Jahre lang habe ich als Überlebende der Schoah Deutschland verteidigt. Jetzt frage ich mich, ob das richtig war. Besserwisser schwadronieren beim Thema Beschneidung ungehemmt über "Kinderquälerei" und "Traumata". Damit schaffen sie nur eines: Die verschwindend kleine jüdische Existenz in Deutschland infrage zu stellen.
Seit Jahrtausenden beschneiden Juden ihre männlichen Nachkommen. Seit Jahrhunderten geschieht dies auf dem Boden des heutigen Deutschland. Niemand hatte sich dafür interessiert. Bis jetzt. Seit bekannt wurde, dass ein Richter in Köln im Mai das Verdikt "Straftat" aussprach, ereifert sich die ganze Republik über das Pro und Contra der Entfernung eines winzigen Hautstücks.

Bild vergrößern
"Es wäre an der Zeit, die aufgeregte öffentliche Debatte, die in der Sache keinen Schritt weiterführt, zu beenden." (© dpa)




Anzeige

Eigentlich gab es angesichts der prekären Situation unserer Währung kein nachrichtliches Sommerloch, das mit einem exotischen Nischenthema hätte gefüllt werden müssen. Dennoch erfüllte die Beschneidung diesen Zweck außerordentlich wirksam. Nun, da der Gesetzgeber die Beseitigung der entstandenen Rechtsunsicherheit in die Hände genommen hat, wäre es aber an der Zeit, die aufgeregte öffentliche Debatte, die in der Sache keinen Schritt weiterführt, zu beenden, zumindest, bis der Gesetzentwurf vorliegt.

Die selbsternannten Retter der Säkularität

Stattdessen aber scheint es, als könne die Erregung kein Ende mehr finden. Unvermindert tauchen vermeintliche Experten auf und behelligen uns ungefragt mit ihren medizinischen, juristischen, psychologischen oder moralischen Assoziationen. Die selbsternannten Retter der Säkularität und des deutschen Rechtssystems schwingen sich auf, das vermeintlich brutale religiöse Ritual auf seine Legalität, Modernität und Sozialverträglichkeit hin zu überprüfen. Das Sommerloch ist längst gefüllt. Mehr als das: Inzwischen ist dort ein Haufen aufgeschüttet, der zwischen Juden und Nichtjuden in diesem Land steht. Jeder weitere Zwischenruf vergrößert diesen Haufen. Bis er unüberwindbar ist.

Nicht einmal in meinen Albträumen habe ich geahnt, dass ich mir kurz vor meinem achtzigsten Geburtstag die Frage stellen muss, ob ich den Judenmord überleben durfte, um das erleben zu müssen. Wem an dieser Stelle schon der Satz vom überempfindlichen Juden auf der Zunge liegt, dem sei gesagt: Es waren deutsche Juden, die fast alle demokratischen Entwicklungen auf deutschem Boden initiiert, mitgestaltet, begleitet und gelebt haben. Wir brauchen keine Nachhilfe in Demokratie. Wir benötigen keine Belehrungen über Meinungsfreiheit. Wir sind sehr gut und mit Begeisterung in der Lage, Diskurse nicht nur zu ertragen, sondern auch zu befruchten und zu befördern.

Wir ertragen das Verständnis für Selbstmordattentäter

Wir hören uns weit mehr an als die Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. Wir ertragen es, dass alternde Literaturnobelpreisträger mit SS-Vergangenheit ihre letzte Tinte dafür opfern, Deutschland und die Welt vor der kriegslüsternen Atommacht Israel zu warnen. Wir ertragen, dass obsessive Weltverbesserer dazu aufrufen, Produkte aus Israel zu boykottieren und Unterschriften sammeln, wohl wissend, dass sich kein Mensch für sie interessieren würde, wenn sie die humanitären Katastrophen in Gambia, Somalia, Weißrussland - jenseits der besetzten Gebiete anprangerten. Wir ertragen das Verständnis, das palästinensischen Selbstmordattentätern entgegengebracht wird, weil ihnen das Verhalten Israels ja keine Alternative lasse.

Wir ertragen, dass deutsche Parlamentarier auf von Terrorgruppen organisierten Schiffen anheuern, um öffentlichkeitswirksam Baustoffe und abgelaufene Medikamente in den Gaza-Streifen zu liefern. Ladung, die niemand braucht und die auch gar nicht ankommen soll, weil der angestrebte PR-Effekt nur dann eintritt, wenn die israelische Marine dem Treiben ein Ende setzt. Wir ertragen, dass die singulären Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert werden, selbst in der sogenannten Prager Erklärung, in der einige Bürgerrechtler die Verbrechen des Kommunismus und den Holocaust gleichsetzen
wenebeinhart
wenebeinhart
Gelegenheitsschreiber

Anzahl der Beiträge : 116
Posting-Points : 10
Alter : 49

 Die Armen Zionisten  Empty Re: Die Armen Zionisten

Beitrag von wenebeinhart Fr 14 Sep - 22:21

Kritik am Berliner Senat Jüdische Gemeinde nennt Beschneidungs-Regelung antisemitisch

06.09.2012, 10:30




Die religiös motivierte Beschneidung bei Jungen soll in Berlin straffrei bleiben - unter Bedingungen, die in der SPD und bei Vertretern des Judentums auf Kritik stoßen. Andere Länder behelfen sich mit Rechtshinweisen. Und warten auf den Bund.
Religiös motivierte Beschneidungen bleiben auch in Berlin unter strengen Voraussetzungen straffrei. Eltern und Sorgeberechtigte der jüdischen oder muslimischen Jungen müssen künftig dem Eingriff - einer Entfernung der Vorhaut - ausdrücklich schriftlich zustimmen. Beratung und medizinische Standards sind Pflicht, ebenso der Nachweis der religiösen Notwendigkeit etwa durch eine Bestätigung der Gemeinde, wie Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) in Berlin mitteilte. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte die Berliner Regelung scharf und forderte den Senat auf, sie zurückzuziehen. Die Forderung, jüdischen oder muslimischen Glauben nachzuweisen, widerspreche der im Grundgesetz festgeschriebenen Bekenntnisfreiheit. Als "inakzeptabel" bezeichnete Thierse auch die Regelung, dass nur approbierte Ärzte die Jungen beschneiden sollen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hält die vom Berliner Senat angekündigte Straffreiheit für Ärzte, die Beschneidungen vornehmen, nicht für ausreichend. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer, begrüßte den Schritt zwar als Signal zugunsten der Religionsfreiheit. "Aber die konkrete Zwischenlösung hilft uns nicht weiter", sagte er der Frankfurter Rundschau.

Die jüdischen Beschneider könnten damit zwar solche Eingriffe vornehmen, müssten sich aber im Anschluss einer Einzelfallprüfung und möglicherweise einem Ermittlungsverfahren unterziehen. "Ich frage mich also, worin für uns die Verbesserung liegt", sagte Kramer.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Gideon Joffe, formulierte seine Kritik an dem Vorstoß des Berliner Senats drastisch: "Der Vorschlag ist nicht in der Absicht, aber im Ergebnis antisemitisch." Ein Arzt, der auf Beschneidungen spezialisiert sei, werde von allen Juden nur akzeptiert, wenn er jüdisch sei und koscher lebe, sagte Joffe zur Bild-Zeitung. In Berlin gebe es einen solchen Arzt womöglich, in kleineren jüdischen Gemeinden in Deutschland aber mit Sicherheit nicht.

Anderes Bundesland, andere Regelung

Hintergrund der Debatte ist ein Urteil des Landgerichts Köln, das Ende Juni die religiös motivierte Beschneidung für rechtswidrig erklärt hatte. Der Bund plant nun einen Gesetzentwurf, nach dem medizinisch fachgerechte Beschneidungen von Jungen weiter zulässig sind. Die Haltung der Bundesländer in der Causa unterscheidet sich von der Berlins. Die Regelungen sind weniger streng, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

In Baden-Württemberg reicht neben einer mündlichen Bestätigung der Eltern, ihr Kind aus religiösen Gründen beschneiden lassen zu wollen, eine schriftliche Einwilligungserklärung zur Operation aus, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Ein amtlicher Nachweis der Religionszugehörigkeit sei nicht nötig.

Es müsse aber garantiert sein, dass der Eingriff unter ordnungsgemäßen medizinischen und hygienischen Standards erfolgt. Ähnlich in Sachsen: Wenn die sorgeberechtigten Eltern nach ärztlicher Aufklärung einer Beschneidung zugestimmt haben und sie auch hinsichtlich der Schmerzbehandlung von einem approbierten Arzt vollzogen wird, soll sie straffrei bleiben.

In Hessen gibt es dagegen bislang keine generelle Auffassung: "Da gibt es von Fall zu Fall Nuancen, die zu großen Unterschieden führen können", begründete Generalstaatsanwalt Alexander Badle. Deshalb wird es auch in Brandenburg vorerst keine generelle Regelung zu religiösen Beschneidungen geben. Sachsen-Anhalt prüft noch.

Westerwelle will "jüdische und muslimische Traditionen" schützen

In Nordrhein-Westfalen, wo es drei Generalstaatsanwaltschaften gibt und das Thema nach einem Kölner Urteil ins Rollen kam, sind auch keine übergreifenden Vorgaben vorhanden. Es zähle der Einzelfall, "allgemeine Richtlinien und Feststellungen sind insoweit nicht möglich", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Köln, Ulrich Boden. Das Landgericht Köln hatte Ende Juni eine religiös motivierte Beschneidung für rechtswidrig erklärt.

Hamburgs Justizsenatssprecher Hamburg Sven Billhardt stellt klar: "Der Deutsche Bundestag hat fraktionsübergreifend die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem medizinisch fachgerechte Beschneidungen von Jungen weiter zulässig sind. Wir werden das Verfahren konstruktiv begleiten." So sehen es auch Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland.

Den Entwurf werde es bald geben, kündigt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in einem Gespräch mit der in Berlin erscheinenden Wochenzeitung Jüdische Allgemeine an. Die Bundesregierung fühle sich verpflichtet, "baldmöglichst eine klare rechtliche Regelung vorzulegen. Es muss klar sein, dass in Deutschland jüdische und muslimische Traditionen geschützt bleiben."

Leutheusser-Schnarrenberger hält Bund für zuständig

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bekräftigt die Zuständigkeit des Bundes bei der Regelung der Beschneidung zu religiösen Zwecken. "Die entstandene Rechtsunsicherheit wird durch eine bundesgesetzliche Regelung schnell beseitigt werden", sagte Leutheusser-Schnarrenberger der Nachrichtenagentur dapd. Sie fügte hinzu: "Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass über die Beschneidungsdebatte Antisemitismus Vorschub geleistet wird. Wir brauchen lebendiges jüdisches Leben in Deutschland."
[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

    Aktuelles Datum und Uhrzeit: So 16 Mai - 14:41